Antiquariat Elvira Tasbach

...

Weibliche Netzwerke und Wissenstransfer - ein österreichisches Rezeptbuch um 1700.

Umfangreiches und großformatiges Kompendium deutschsprachiger medizinischer Rezepte, offensichtlich entstanden und benutzt in einem adligen Wiener Haushalt und wohl im Umfeld einer Hofapotheke um 1700. Bemerkenswert sind, neben der Systematik der Zusammenstellung, die zahlreichen Namensnennungen, vor allem von österreichischen Adligen und Medizinern seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die wichtigsten genannten Bezugspersonen stammen aus der Familie von Polheim. Der Folioband umfasst 370 nicht nummerierte Blätter. Die Rezepte wurden von einer Hand in einer flüssigen, gleichmäßigen und weit ausgreifenden Kurrentschrift in Tinte auf festem Papier geschrieben. Die Überschriften sind in größerer Auszeichnungsschrift ausgeführt. Trotz kleinerer Nachträge von mehreren Händen, die sich stellenweise am Schluss der Kapitel befinden und trotz der unterschiedlichen Schreibweisen von häufig vorkommenden Familiennamen hat die Kompilation den Charakter einer Reinschrift. Vor und zwischen den Kapiteln wurden leere Blätter, wohl um längere Nachträge zu ermöglichen, eingebunden. Die Wasserzeichen, die unterschiedliche Bräunung des Papiers und das Fehlen des Rahmens zeigen, dass diese leeren Blätter erst beim Binden der Handschrift in den vorliegenden Einband hinzugefügt worden sind. Von diesen leeren Blättern wurden später einige Blätter herausgeschnitten. Die Handschrift ist davon aber nicht betroffen. Die Datierung und die geographische Zuschreibung der Handschrift nach Wien ergeben sich aus der darin genannten Jahreszahl 1680 als terminus post quem („Ein Rauckhen wie man ihn hier in Wien braucht in den Häusern nach der Pest 1680“) und aus den in Überschriften von Rezepten genannten Grafenfamilien Urschenbeck (die Familie starb 1672 aus) und der Freiherrn von Teufel (diese Familie starb 1690 aus). Die Handschrift enthält zwei aussagekräftige Vorbesitzeinträge: Das Exlibris des Grafen, später Fürsten Franz von Thun und Hohenstein auf der Innenseite des vorderen Buchdeckels und den Namensstempel 'v.Engelshofen' auf dem ersten beschriebenen Blatt. Schöner, blindgeprägter Pergamentband der Zeit auf fünf Bünden, mit dreiseitigem Rotschnitt (Messingschließen fehlen, Einband etwas fleckig und berieben, hinteres Gelenk mit Einriß und Spuren eines Brandschadens, der den Buchblock nicht berührt), (34 x 22 cm).

Sachgebiete: Feminismus, Handschriften, Medizin, Österreich, Pharmazie

7500,- EUR

Antiquariat Elvira Tasbach

Kronberger Str. 20 • 14193 Berlin

Telefon 0172 3132088
E-Mail: Antiquariat-Tasbach@t-online.de · Internet: www.tasbach-rare-books.com